Samstag, 26. September 2009

Nachhaltigkeit in der vernetzten Versorgung

Im Rahmen meiner Dissertation und der Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit im Kontext vernetzter Versorgung ist jetzt ein Artikel von mir zu genau diesem Thema veröffentlicht worden.

Wer Interesse daran hat, kann sich das Manuskript zu diesem Artikel hier herunterladen.

Montag, 27. April 2009

Zettelkasten 3 für Windows, Mac und Linux

Zettelkasten 3 für Windows, Mac OS X und Linux

Es ist endlich soweit! Zettelkasten 3 steht ab sofort für Windows, Mac OS X sowie Linux zum Download bereit.

Seit der letzten, reinen Windows - noch aus dem Jahr 2007 - sind etliche Neuerungen hinzukommen und viel Übersicht beiseite geschafft.

Einen kurzen Überblick über die neuen Funktionen findet ihr hier.

Mittwoch, 25. März 2009

Was ist was?

Wer etwas intensiver die Debatte um Systemtheorie und auch Netzwerktheorie verfolgt, dem fällt sicherlich auf, dass es zunehmend Versuche gibt, eine Annäherung dieser beiden Theorien zu erreichen.
Die Fragen sind unter anderem, ob die Netzwerktheorie dort weiterhelfen kann, wo Luhmann seine Theorie eventuell noch nicht so intensiv ausgearbeitet hat, wie bspw. beim Theoriestück der strukturellen Kopplung.
Ich möchte die Diskussion an dieser Stelle gar nicht weiter kommentieren, sondern ein "Fundstück" zeigen, dass ich kürzlich per E-Mail erhalten habe. Es geht um zwei Zitate, eines von Stephan Fuchs, ein anderes aus einer englischen Übersetzung eines Luhmann-Werkes:
Networks are systems of relations (Stephan Fuchs)
Systems are networks of relations (Luhmann)
So einfach ist das.

Dienstag, 17. März 2009

Medienepochen der Stadt

Grade eben habe ich bei den seltsamen Schleifen einen Beitrag über die Computergesellschaft entdeckt. Darin gab es ein Interview mit Dirk Baecker, das so herrlich aufbereitet ist, dass ich es hier auch zeigen möchte:

Dienstag, 10. März 2009

Geschlossene, umweltoffene Systeme

Vor einiger Zeit hatte ich über die Tagung X-Organisationen berichtet. Jetzt gibt es bei YouTube zu dieser Tagung und aus ihrem Vorfeld erste Videos mit Kurzinterviews. Eines von Dirk Baecker zur Frage, wie geschlossene Systeme umweltoffen operieren können, möchte ich hier vorstellen:

Beiträge zu den Vorträgen finden sich auch in der Revue für Postheroisches Management, unter anderem auch ein interessanter Beitrag von Baecker zu den Epochen der Organisation.

Nutzer als Störfaktor im System

Im Rahmen unseres Promotionskollegs NutzerInnenorientierte Gesundheitssicherung möchten wir versuchen, den Nutzerbegriff über die spezielle Thematisierung in unseren jeweiligen Dissertationsprojekten hinaus allgemeiner zu konzeptionalisieren. Jenseits von einfacher Programmatik, die häufig mit dem Nutzerbegriff verknüpft ist, gilt es, das Nutzerkonzept theoretischer zu fundieren.
Ich möchte hier eine kurze Zusammenfassung von Arbeitsgruppentreffen zu diesem Thema geben. Dieser Textentwurf ist dabei noch nicht so weit überarbeitet, dass er die Meinung aller KollegiatInnen widerspiegeln muss (aber vielleicht trotzdem könnte, das weiß ich nicht genau), aber daran arbeiten wir gerade.
Unser Idee ist, den Nutzer als Störfaktor im Gesundheitssystem zu begreifen: Er stört das System, indem er professionell organisierte Prozessabläufe, Verfahrensweisen und praktische Konzepte torpediert. Im professionellen Handeln und Selbstverständnis wird der Nutzer somit als Störvariable aufgefasst, den es gleichermaßen ein- und auszuschließen gilt.
Die Notwendigkeit, den Nutzer einzuschließen, besteht, weil erst durch ihn die Dienstleistung hergestellt und auch in Anspruch genommen wird. Organisationen müssen deshalb Dienstleistungen als Angebot interessant machen und zur potenziellen Nutzung von Angeboten zu motivieren. In diesem Kontext kann Nutzerorientierung als Re-Individualisierungsstrategie gelesen werden, da Organisationen es nur über Nutzerorientierung schaffen, Interesse an den Dienstleistungen aufzubauen.
Gleichzeitig muss der Nutzer außen vor gehalten werden, um die strukturelle Autonomie organisierter Professionalität und Systemprozesse nicht zu gefährden. Störungen durch den Nutzer werden nur soweit zugelassen, solange sie die eigene Arbeitsweise von Organisationen oder Akteuren nicht gravierend „bedrohen“. Irritationen von außen regen nur punktuell zur Selbstveränderungen des Systems an und werden im System selbst nur nach eigenen Maßgaben (Strukturen) „verarbeitet“. In diesem Sinne kann Nutzerorientierung als Entschärfungsstrategie verstanden werden, um zu viel Ansprüche (im Sinne von Störungen) mit dem Verweis auf bereits auf Nutzerorientierung ausgerichtete Angebote zu vermeiden.

Lesen lernen

Ich möchte gerne diesen Beitrag aufgreifen und etwas ausführlicher behandeln. In den folgenden Ausführungen beziehe ich mich auf den Aufsatz Lesen lernen von Niklas Luhmann (erschienden in Short Cuts). Dabei versuche ich, Luhmanns Vorschläge zur Lektüre von Texten, eine Art Leseheuristik, als Grundlage für die Weiterverarbeitung des Gelesenen mit Hilfe eines Zettelkastens zu verknüpfen. Dadurch möchte ich eine bestimmte Arbeitsweise mit diesem Programm beschreiben.
Zuerst unterscheidet Luhmann drei Arten von Texten: Romane, Gedichte und wissenschaftliche Texte. Alle drei Textarten verlangen eine je unterschiedliche Lesart. Romane spielen mit dem Unbekanntsein der Zukunft (Story) und dem daraus resultierenden Spannungsaufbau. Für Gedichte wiederum sind Rhythmik, Versform und Wortwahl bzw. Wortspiele wichtig. Bei wissenschaftlichen Texten wiederum gibt es erneut andere Anforderungen an den Leser.
Typisch für wissenschaftliche Texte ist die hohe Zufälligkeit der geschriebenen Sätze. Jeder Text, auch wenn Fragestellung und Ergebnisse gleich bleiben, würde beim zweiten Schreiben völlig anders formuliert werden.
Die Füllmasse der Worte, die zur Satzbildung erforderlich sind, entzieht sich jeder begrifflichen Regulierung
(S.152)
Das macht es schwer, zu erkennen, welche Aussagen sehr wichtig sind, welche Worte nur Beiwerk. Und nach mehreren Seiten Lektüre ist der Anfang des Textes kaum noch zu erinnern. Eine Empfehlung zum Lesen besteht darin, sich den Stand der Forschung durch viel Querlesen anzueignen. Dabei bekommt man ein Gespür für die Unterscheidungen, die von den jeweiligen Autoren eingesetzt werden, erkennt also deren Beobachtungsschemata. Das hilft, herauszufinden, welche Gedanken (oder Beobachtungen oder Unterscheidungen) neu sind und welche sich wiederholen. An ausreichender Wiederholung von bestimmten Gedanken und Ideen erkennt man auch den Stand der Forschung.
Allerdings braucht man dafür ein Langzeitgedächtnis, um Verknüpfungen und Querverweise zu bereits Gelesenem herzustellen, kann aber natürlich nicht alles erinnern und auswendig lernen. Und hier kommt der Zettelkasten ins Spiel:
Die vielleicht beste Methode dürfte wohl darin bestehen, sich Notizen zu machen - nicht Exzerpte, sondern verdichtete Reformulierungen des Gelesenen. Die Wiederbeschreibung des bereits Beschriebenen führt fast automatisch zum Trainieren einer Aufmerksamkeit für »frames«, für Schemata des Beobachtens oder auch für Bedingungen, die dazu führen, daß der Text bestimmte Beschreibungen und nicht andere anbietet
(Herv. von mir)
Bei der Lektüre ist, wie bereits gesagt, es immer sinnvoll, nach den Unterscheidungen zu suchen, die vom Autor eingesetzt werden. Gibt der Text keine expliziten Hinweise hierauf, kann man durchaus kreativ werden:
Sehr häufig gibt der Text auf diese Frage nach der anderen Seite seiner Aussage keine oder keine eindeutige Antwort. Aber dann muß man ihm mit eigener Imagination auf die Beine helfen. Skrupel im Hinblick auf hermeneutische Vertretbarkeit oder gar Wahrheit wären hier fehl am Platze. Es geht ja zunächst nur um ein eigenes Aufschreibsystem, um Suche nach etwas, was zu merken sich lohnt; und um Lesenlernen.

Am Anfang produziert man hierbei sicherlich viel Abfall, meint Luhmann. Aber da wir so erzogen wurden, aus unseren Tätigkeiten was Nützliches zu erwarten, kann man die Ideen zumindest systematisch verwalten: Der Abfall kann in einen Zettelkasten. Das klingt erst mal etwas ernüchternd, dass der Zettelkasten nur ein besserer Abfallbehälter sein soll (wozu der Aufwand? fragt man sich), aber es trainiert, und letztendlich steigt die Qualität eines Zettelkastens mit der Dauer immer mehr an. Wichtig ist also, bei der Lektüre und Verarbeitung von Texten zu versuchen, das Gelesene in eigenen Worten zusammenfassend zu reformulieren und dabei bereits die Unterscheidungen des Autors/Textes im Blick zu haben. Dadurch lässt sich das Gelesene gleich mit anderen Texten und Ideen vergleichen, kontrastieren und mit eigener Interpretation bzw. Schlussfolgerung ergänzen, sodass bereits ein eigener produzierter Textbaustein in den Zettelkasten gelangt und für die spätere Verwendung direkt aufbereitet ist.
Hiermit schließe ich dann mit meinen Anregungen darüber, wie man Texte lesen und exzerpieren und mit dem Zettelkasten verarbeiten könnte. Andere Möglichkeiten sind sicherlich denkbar. Anschließend daran stellt sich die Frage, wie man mit einem "gefüllten Zettelkasten" produktiv wird. Marc Scheloske greift dazu ein paar Diskussionen auf und gibt einen kurzen Überblick in seinem Blog.